Männerriege Buus, Reise nach Savognin

06.09.2015

 

Das Gesicht ist aufgeschürft, die Sonnenbrille ist dreckverspritzt und im Mund knirschen Steine und Dreck. Die Augen tränen noch vom Fahrtwind, die Gelenke und Knochen schmerzen. Wow, das war ein Ride!

 

Natürlich spreche ich nicht von unserem „Hoho-Chauffeur „und Organisator Roli, der brachte sich und die 10 Turner der Männerriege Buus sicher nach Savognin und wieder zurück.

Es war der Sonntagnachmittag der uns die Fliehkraft wiedermal Fürchten lehrte.

Fangen wir doch von vorne an.

 

Angekommen in Sur, kurz vor Bivio am Julierpass, sind die Bündner Berge wolkenverhangen und leichter Regen zwingt uns die Regenjacken anzuziehen. Das Ziel ist die Alp Flix, keiner weiss was für Abenteuer uns erwarten, keiner kennt den genauen Weg.

Mutig wie Pioniere nehmen wir den steilen Aufstieg unter die Füsse. Nachdem die letzten Häuser unter uns liegen, kämpfen wir uns durch nebligen Regenwald. Der Schweiss läuft über Arme und Rücken, nur kurz machen wir einen Rast zum trinken, die Kehle brennt. Kräfte und Flüssigkeiten gut einteilen ist überlebenswichtig, denn keiner weiss wie weit es noch sein wird. Wir schaffen es tatsächlich auf eine Hochebene und der ortskundige Roli macht uns Mut, er weiss, es kann nicht mehr weit sein. Bei einer steifen Biese waten wir durch das Hochmoor der Alp Flix weiter. Gut sehen wir die über uns kreisenden Bartgeier nicht, die Wolken sind zu dicht. Da, im Nebel erscheint ein Haus, wir haben es geschafft, wir sind auf der Alp Flix!

 

Besorgt steht der Hüttenwart „Maze“ in Cuorts vor seiner urchigen Hütte und ist froh uns alle heil in die warme Stube zu bitten. Gierig und hemmungslos bestellen wir eine warme Suppe und lassen uns am massiven Fichtentisch nieder. Die köstliche Kürbissuppe oder einheimische Gerstensuppe wärmt unsere Gemüter wieder auf. Die Hüttenhunde warten aufmerksam ob wir etwas von unserer Fleisch- und Käseplatte übrig haben. Keine Chance, denn auch der Nachschub ist bald gegessen. Die Warnungen von Maze, dass das Wetter hier oben sehr unberechenbar sein kann, haben wir nicht ernst genommen. In der warmen Hütte bemerkten wir den Schneesturm, der draussen fegt, nicht. Unmöglich bei diesem Wetter abzusteigen, deshalb entschliessen wir uns, die einheimisch Nusstorte und den selbstgebackenen Apfelkuchen zu geniessen.

 

Nach Stunden in der kleinen Hütte, müssen wir jedoch das Risiko auf uns nehmen und suchen einen Weg zurück ins Tal. Seltsamerweise sind die wenigen Leute die wir antreffen alle mit langen Flinten bewaffnet. Ob als Schutz der einheimischen Tiere oder aus anderen Absichten wissen wir nicht. Der Schnee peitscht uns ins Gesicht, und nicht nur unsere Regenausrüstung muss ihr Bestes geben. Vorbei an reissenden Bergbächen und glitschigen Rindliweiden, trifft unser Pfad bald auf eine Fahrstrasse, die uns sicher wieder nach Sur bringt. Später bestätigt uns das GPS, welche Grösse unsere Rundtour hatte und wir klopfen uns auf die vom schweren Rucksack schmerzenden Schultern.

 

Jüge zeigt uns seine kantonal geprüften Fahrkünste und fährt uns zum berühmten

Marmorea Stausee. Nur die harten Kerle steigen bei diesem Wetter aus und betrachten die dramatische Landschaft der Energiewende.

Nun geht es über die steilen Spitzkehren auf der Julierstasse wieder abwärts, zum Glück hat der Kleinbus eine so gute Bodenhaftung und wir erreichen sicher und müde unser Hotel „Cube“ in Savognin.

 

Für die triefend nassen Sachen hat das Hotelkonzept vor jedem Zimmer einen Sportgeräte- und Trocknungsraum vorgesehen, genial.

 

In den Doppelzimmern machen wir uns für das Abendprogramm bereit und geniessen die Ruhe. Mit Tischfussball oder einem Saunabesuch überbrücken wir die Zeit, bis zum „All you can eat“ Abendessen im Hotelrestaurant.

Nach zart gebratenem Zanderfilet oder nach dunkel grillierten Fleischplatten rollen wir uns auf die bequemen roten Sofas nebenan und sehen ein katastrophales Schweiz – Slowenien Spiel. Kurz bevor die Emotionen durchbrennen, gewinnen wir doch noch und wenden das Spiel in den letzten Minuten. Tolles 3:2 gegen die Weltranglisten 45!.

Nun haben wir endlich ein Grund zum Feiern und den Abend zufrieden ausklingen zu lassen.

 

Von Ausschlafen keine Rede, denn Organisator Rolli scheucht uns schon früh zur Seilbahn.

Natürlich reicht es noch für ein super reichhaltiges Frühstück, das bis auf Pi’s 3 Minuten Eier keine Wünsche offen lässt.

 

Die erste Disziplin fordert uns schon gewaltig. Nach slowenischer Instruktion schickt uns David in die Baumkronen. Mit Karabiner, Seilbahnhacken und Sicherungsgurt steigen wir bei gutem Wetter in die Baumkronen.

Fast alle schaffen den in den Baumwipfeln, mit durchhängenden Drahtseilen, über schwankende Schlingen sowie rutschige „Holzrugel“ führenden Parcours zu meistern.

Der Seilpark mit den 3 Routen ist für alle ein Genuss, und niemand wird hängen gelassen.

Nur die fliegenden Füchse Adi und Dieter testen die schwankenden Föhren bis aufs Letzte, kommen jedoch trotzdem rechtzeitig zum Mittagessen.

 

Das Steak mit Pommes in der „Mittelstation“ Tigignas ist nicht nur wegen der freundlichen Bedienung ein Genuss.

 

Nun können die alten Herren das „Kind im Manne“ aufleben lassen. Dreiradfahren!

Heute heisst das für Ü40er Mountaincart! Die 3 rädrigen Gefährte sind für Erwachsene Kinder gebaut, wiegen auch so viel wie Diese, richtig gefährlich.

Die 10 Zoll breiten Räder, gepaart mit tiefen Schwerpunkt und einem Gelände von steil bis sehr stotzig, garantiert beste Voraussetzung für den riesen Spass.

Nach 2 Abfahrten von Somtgant bis Savognin mit 900 Höhenmetern ist nicht ganz klar, wer nun wen überholt oder aus der Kurve gedrückt hat. Die Mundwickel blieben jedoch bei allen weit hinter den Ohren.

Die ganz Wilden unter uns riskieren sogar eine Abfahrt auf den Feldwegen und die Geschichten von Waldflügen und Landschäden werden immer wie heldenhafter. Trotzdem, Pifahrer hatte das Gesicht aufgeschürft, die Sonnenbrillen sind mit Dreck verspritzt und im Mund knirschen Steine und Dreck. Die Augen tränen noch vom Fahrtwind, die Gelenke und Knochen schmerzen. Wow, das war ein Ride!

 

Vergleichsweis langweilig und unspektakulär chauffierte uns Roli wieder sicher zurück ins Baselbiet. Die Fleisch-Käseplatten von Pi waren gegessen und alle freuten sich auf die liebe Familie, die zu Hause wartete.

Danke Roli für das gelungene Männerriege Reisli, super organisiert und toll begleitet.

 

 

Demokratisch bestimmter Berichtschreiber, Michi Anderegg

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